Hintergrundwissen zur floristischen Kartierung

From Bayernflora
Jump to: navigation, search

Was ist eine Flora?

Begriffserklärung

  1. Pflanzenvorkommen in einem bestimmten Gebiet
  2. wissenschaftliche Veröffentlichung der Beschreibung dieser Pflanzen
  3. Bestimmungsliteratur für die Pflanzen eines Gebiets (Exkursionsflora)

→ Um die 1. Bedeutung von der 2. zu unterscheiden, wird das Wort Flora oft groß geschrieben wenn von einer Publikation die Rede ist.


Was beinhaltet eine Flora?

Eine Flora umfasst die Artenvielfalt eines Gebietes, Landes etc., die nach den Gesichtspunkten der botanischen Taxonomie und Systematik erfasst und gegliedert wird. Sie wird als Auflistung der Pflanzensippen dargestellt und drückt den phylogenetisch entstandenen Artenreichtum und das genetische Entwicklungspotential der Pflanzenwelt aus. Sie repräsentiert das Angebot an Arten einer Region, aus dem sich Pflanzengesellschaften bzw. die Vegetation zusammensetzen.

Eine Flora kann alles enthalten von einer einfachen Pflanzenliste eines Gebietes bis hin zu einer sehr detaillierten Beschreibung dieser Pflanzen. Floren unterscheiden sich von gängigen Handbüchern in dem sie versuchen alle Pflanzen zu umfassen und nicht nur die häufigsten oder bemerkenswertesten. Manchmal sind die Pflanzen alphabetisch aufgelistet, manchmal werden sie in einem Klassifikationssystem dargestellt, das zeigt welche Pflanzen sich ähnlich oder vielleicht miteinander verwandt sind.

Eine Flora enthält fast immer wissenschaftliche Namen, ebenso kann sie:

  • umgangssprachliche Namen
  • Angaben zu Lebensräumen
  • Angaben zur geographischen Verbreitung
  • Angaben zur Biologie der Pflanzen
  • Angaben zur Anatomie der Pflanzen
  • pflanzensoziologische Angaben
  • medizinische Angaben
  • naturschutzfachliche Angaben
  • Literaturquellen
  • Beschreibungen
  • Illustrationen
  • Notizen

enthalten.

Floren enthalten auch oft Bestimmungshilfen die es dem Leser/Nutzer ermöglichen unbekannte Arten zu identifizieren.

Seltener enthalten Floren spezielle Informationen wie z.B. chemische Daten, Daten zur Reproduktion, Chomosomenzahlen und Populationsvorkommen.


Eine Flora im Wandel der Zeit und im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Seit dem frühen 17. Jahrhundert schreiben Botaniker Floren. Ärzte nutzen Floren um sich über medizinisch interessante Pflanzen zu informieren, Gärtner nutzen Floren um Pflanzen zu identifizieren die in Kultur genommen werden sollen. Floren dokumentierten Pflanzen die in exotischen Gebieten gesammelt wurden ebenso wie Pflanzen die in einem kleinen Kartiergebiet eines Botanikers wachsen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Form von Floren–Listen mit ihren dazugehörigen Informationen nur unmerklich verändert, aber in den letzten zwei Jahrzehnten hat die computerbasierte Datenhaltung stark zugenommen. Früher wurden Floren von Einzelpersonen geschrieben und bestanden aus deren Sammlungen und der Literatur die ihnen zur Verfügung stand, beides war begrenzt. In letzter Zeit wurden Floren von großem Umfang geschrieben in Zusammenarbeit vieler Autoren die gemeinsam tausende von Pflanzenfunden begutachteten und bewerteten und es wurden Informationen von Dutzenden, oder sogar Hunderten von Publikationen mit eingearbeitet.

Die Sorge um die Umwelt haben verstärkte Bemühungen angeregt, die Pflanzen der Welt zu inventarisieren und zu beschreiben. Die wachsende Erkenntnis das wir beides müssen, unsere rasch schwindenden Ressourcen bewahren und sie weise einsetzen, erzeugt eine zusätzliche Dringlichkeit dieser Bemühungen. Folglich steigt die die Menge an Zeit und Geld die für die floristische Arbeit benötigt werden, genauso wie die Vielfalt und Wichtigkeit der Wege auf welchen floristische Information genutzt werden und die Zahl der Leute die eine unmittelbares Interesse an floristischen Daten haben.


Was bedeutet Rasterkartierung in der floristischen Kartierung?

Quadratkilometerfeld, unterteilt in 16 Quadrate mit 250 × 250 m Größe

Die Rasterkartierung, auch Gitterfeldkartierung genannt, ist heute die häufigste Methode zur Erfassung biologischer Arten in einem gewissen Gebiet. Die kartographischen und methodischen Grundlagen der jeweiligen Bestandserfassungen variieren trotz vieler Bemühungen zur Vereinheitlichung regional und international noch immer, ebenso meist auch die anschließende Darstellung der Ergebnisse.

Eine Grundlage für floristische Kartierungen ist in Deutschland das Messtischblatt (Topographische Karte 1:25000), auf welchem in der Regel noch ein Gitter mit jeweils 4 × 4 cm nach dem Gauß-Krüger-Koordinatensystem aufgedruckt ist, das bei einem Maßstab von 1:25000 jeweils 1 × 1 km entspricht. Ein Fundort lässt sich auf dem Messtischblatt in mehreren Abstufungen von grob bis punktgenau lokalisieren. Gröbste Stufe ist die Angabe der Messtischblattnummer. Am genauesten sind punktgenaue Rechts- und Hochwerte (Gauß-Krüger-Koordinaten). Oft wird noch das 250 × 250 m-Kleinfeld verwendet. Dazu wird ein Quadratkilometerfeld in 16 gleich große Quadrate unterteilt, vertikal von 1 bis 4 und horizontal von a bis d nummeriert. Punktgenauen Koordinaten jedoch sollte heutzutage vor allem durch Verwendung von GPS der Vorzug gegeben werden.

In vielen Fachbereichen der Botanik und Zoologie spielen Rasterkartierungen eine sehr große Rolle. Veröffentlicht werden die Ergebnisse von Rasterkartierung außer in Fachartikeln zuweilen auch in sehr umfangreichen Verbreitungsatlanten.