Flora des MTB 7934 Starnberg Nord, 1945 bis 1987: Punktgenaue Verbreitungsdaten von J. Höller

Aus Bayernflora
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sie sind hier: ProjekteFlora des MTB 7934 Starnberg Nord, 1945 bis 1987: Punktgenaue Verbreitungsdaten von J. Höller



Schilderung der Flora des Gebiets nördlich von Starnberg

Schutzgebiete des MTB 7934 Starnberg Nord (rot: FFH Gebiete, gelb: Naturschutzgebiet, blau: Naturwaldreservat); Komoot-Topo-Karte (OSM); Darstellung mit Diversity GIS Editor

Das MTB 7934 Starnberg Nord gehört zum Landkreis Starnberg. Der Landkreis Starnberg ist das Zentrum des sogenannten 5-Seen-Landes und zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Lebensräumen sowie an Tier- und Pflanzenarten aus. Für das MTB besonders zu erwähnen sind das Naturwaldreservat Weiherbuchet, das in mitten des FFH-Gebietes „Moore und Wälder der Endmoräne bei Starnberg“ liegt, das Naturschutzgebiet Leutstettener Moos und das Landschaftsschutzgebiet Forstenrieder Park. Josef Höllers Augenmerk galt besonders der Gattung Carex, für die er seinerzeit als absoluter Spezialist galt.

Biographisches zu Josef Höller, Nachlass an der Botanischen Staatssammlung München

Portrait von Dr. Josef Höller
Herbarbeleg von Carex elata; leg./det. Dr. Josef Höller

Josef Höller (geb am 27.05.1909 in München) studierte katholische Theologie und ließ sich 1933 zum Priester weihen. Er war Dr. der Theologie an der Universität München, Gymnasiallehrer für katholische Religionslehre sowie Hausgeistlicher an der Krecke-Klinik in München und nach deren Auflösung im Kloster zum Guten Hirten St.Gabriel in München-Solln. Neben seinem intensiven Beruf fand er dennoch Zeit seinem großen Hobby, der Botanik, nachzugehen. Sein besonderes Augenmerk galt dabei der Gattung Carex. 1928 wurde er Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft (BBG). Sein erstes Herbar wurde 1944 im Krieg vernichtet. Danach legte er ein neues umfassendes Herbar mit ca. 4000 Carex-Belegen aus ganz Europa (Norwegen mit Spitzbergen, Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich mit Korsika, Griechenland) an. Auch beteiligte er sich intensiv an der Floristischen Kartierung Bayerns. Am 22.11.1987 verstarb Josef Höller in München. Sein botanischer Nachlaß ging an die Botanische Staatssammlung München (Hertel & Schreiber 1988, Lippert 1988).

Beschreibung der Datensammlung mit Bleistiftpunkten auf Millimeterpapier, Digitalisierung

Millimeterpapier-Karte für Carex elata aus dem Nachlaß von Dr. Josef Höller; Maßstab: 1mm = 100m
mittels Diversity Workbench-Funktionen generierte Verbreitungskarte für Carex elata; Komoot-Topo-Karte (OSM); Darstellung mit Diversity GIS Editor

Aus diesem Nachlass stammen auch 1017 Millimeterpapier-Karten (MTB 7934 Starnberg Nord). Pro Art/ Sippe gibt es eine Karte (siehe Abbildung) und auf diesen Karten hat Josef Höller per Hand alle Fundpunkte dieser Art markiert. Die Millimeterpapier-Karten sind in fünf Mappen nach folgenden Gruppen geordnet: (a) Farnartige sowie einkeimblättrige Taxa, (b) freiblättrige Taxa sowie Taxa der Saliceae und Rosaceae, (c) weitere freiblättrige Taxa, (d) verwachsenblättrige Taxa sowie Taxa mit oberständigem Fruchtknoten sowie (e) verwachsenblättrige Taxa, Taxa mit unterständigem Fruchtknoten sowie Taxa der Gattungen Plantaginaceae und Compositae (Asteraceae). Die Beobachtungen stammen frühestens aus dem Jahr 1945 und enden mit dem Tod von Josef Höller im Jahre 1987. Eine genaue Datierung der Einzelbeobachtungen fehlt. Da es sich jedoch um überaus präzise historische Daten handelt, wurden die Millimeterpapier-Karten (1mm entspricht 100m) mit finanzieller und personeller Unterstützung der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und des SNSB IT-Zentrums digitalisiert, die Daten in die Diversity Workbench importiert und für die Flora von Bayern Initiative mobilisiert.

Mitarbeiter in diesem zwischen 2015 und 2016 durchgeführten Projekt waren Iris Leininger, Sandra Kügel, Wolfgang Reichert, Marcel Ruff, Veronica Sanz und Verena Styrnik. Die Projektkoordination lag bei Dagmar Triebel.


Folgende Arbeitsschritte wurden durchgeführt, siehe auch Diversity GIS Editor

  1. Einscannen aller Millimeterpapier-Karten (1017 Blätter).
  2. Benennen der 1017 Bilddateien (laufende Nummer und Taxonname)
  3. Georeferenzieren aller Bilddateien mittels Funktionen der Stand-alone Version des Diversity GIS Editors
  4. Die auf den Karten mit Bleistift eingezeichneten Fund- bzw. Beobachtungspunkte mittels Funktionen der Stand-alone Version des Diversity GIS Editors detektieren und als digitale Fundpunkte in TAB-separierten Textdateien abspeichern
  5. Alle Textdateien zu einer einzigen zusammenkopieren und als Grundlage für den Datenimport in MS Excel einlesen (mit Artenname/Dateiname, Shape und Longitude/Latitude-Werten in WGS84 als Spalten)
  6. Hinzufügen weiterer Spalten mit ergänzenden Informationen, i.e. Zuordnung der Taxonnamen zu Nummern der aktuellen taxonomischen Referenzliste Bayerns, Name des Beobachters, Zeitraum der Beobachtung etc.
  7. Erstellung eines Importschemas für DiversityCollection, Projektbeschreibung in DiversityProjects
  8. Datenimport nach DiversityCollection (aus 6 MS Excel-Tabellen à 10.000 Zeilen).
  9. Verknüpfung der Sippen mit dem Modul DiversityTaxonNames über "Maintenance".
  10. Die Visualisierung der Punktdaten als Verbreitungskarten sowie deren Publikation (auch nicht-digital) erfolgt mittels Funktionen des in DiversityCollection integrierten Diversity GIS Editors (siehe Beispiel).

Datenqualität, Datenpublikation, erste Ergebnisse in Zahlen, Ausblick

Qualitätskontrollen im Bereich Datenkonsistenz und Korrektur technischer Fehler erfolgten während des gesamten Digitalisierungsprozesses. Bei der Detektion der einzelnen digitalen Fund- bzw. Beobachtungspunkte war in seltenen Fällen eine manuelle Korrektur nötig. Die Unschärfe der Daten wurde auf ca. 200 m eingeschätzt und so dokumentiert. Die wissenschaftliche Qualitätskontrolle umfasste die Interpretation von Artnamen und deren Konzepte im Beobachtungszeitraum. Durch die Mitarbeit der beiden BFL Regionalkoordinatoren Wolfgang Diewald und Andreas Fleischmann sowie von Marcel Ruff konnte eine eindeutige Zuordnung aller 1.017 Taxa zur Taxonomischen Referenzliste der Gefäßpflanzen Bayerns erfolgen.

Die Daten zu 1.017 Sippen werden demnächst als MTB-Quadranten-Daten über das Datenportal der Bayernflora (BIB), als vergröberte Punktdaten über das Portal der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) und über andere Portale wie GFBio verfügbar sein (siehe Flora von Bayern ─ Verbreitungsdaten online). Die Daten, die innerhalb der Grenzen von München liegen, sind für das Projekt Flora von München relevant. Sie können sowohl als Punktdaten, verschnitten mit dem Shape der Stadt- bzw. Landkreisgrenze München, aus DiversityCollection exportiert werden als auch in Rasterdaten umgerechnet werden, e. g., MTB 7934-256tel Quadranten, ca. 775 m breit (Ost-West) und 695 m hoch (Nord-Süd), und dann exportiert werden. Die Sippe mit den meisten Fund- bzw. Beobachtungspunkten ist Carex sylvatica (859 Punkte). Für 103 Sippen findet sich jeweils nur eine einzige Beobachtung. Insgesamt umfasst die Datensammlung J. Höller 60.001 digitalisierte Fund- bzw. Beobachtungspunkte.

Es sind detaillierte Datenanalysen und eine Publikation der Ergebnisse geplant.

Literatur

Hertel, H. & Schreiber, A. 1988: Die Botanische Staatssammlung München 1813–1988. In: Mitteilungen der Botanischen Staatssammlung München. Bd. 26, S. 81–512 (online-Version mit Ergänzungen und Korrekturen unter http://atgard.botanik.biologie.uni-muenchen.de/botsyst/ic/; online-Version (Original Scans) unter http://www.biodiversitylibrary.org/item/52262#page/137/mode/1up+–+http://www.biodiversitylibrary.org/item/52262#page/137/mode/1up).
Lippert, W. 1988: Josef Höller 1909–1987. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 59, S. 173–179 (http://www.bbgev.de/berichte/059_1988/nachrufe.pdf).